Grundlage
Was bedeutet „EPLAN Electric P8 Pro 2027“?
Genau genommen ist 2027 die Version der EPLAN Plattform, Electric P8 die Lösung für die Elektrokonstruktion und „Pro“ eine Ausbaustufe des lizenzierten Pakets. Zusammen bilden sie eine datenorientierte Engineering-Umgebung: Der Schaltplan ist nicht nur eine Zeichnung, sondern ein strukturiertes Projekt mit Geräten, Anschlüssen, Kabeln, Klemmen, Artikeln, Querverweisen, Auswertungen und Fertigungsinformationen.
Der entscheidende Vorteil liegt in der Durchgängigkeit. Ein sauber gepflegtes Gerät kann gleichzeitig im Stromlaufplan, in Stücklisten, Klemmen- und Kabelplänen sowie in nachgelagerten Fertigungsprozessen verwendet werden. Änderungen müssen dadurch nicht in mehreren, voneinander getrennten Dokumenten nachgeführt werden. Für Serienmaschinen, modulare Anlagen und Variantenkonstruktion ist genau diese gemeinsame Datenbasis die Voraussetzung für belastbare Automatisierung.
Stammdaten mit mehr Kontrolle
Plattform 2027 erweitert die Artikelverwaltung um Vergleiche, Synchronisierung, Verknüpfungen und eine bessere Behandlung ausgelaufener beziehungsweise ersetzter Artikel.
Weniger manuelle Verdrahtungsarbeit
Drähte und Aderendbehandlungen lassen sich detaillierter zuweisen und für manuelle oder automatisierte Fertigungsabläufe dokumentieren.
Bessere Wiederverwendung
Tag-Verwaltung, Einfügezentrum, Makrovarianten und Cloud-Synchronisierung unterstützen standardisierte, standortübergreifend nutzbare Engineering-Bausteine.
Vernetztes Engineering
Cloud-Datenverwaltung, Schnittstellen zu ERP/PDM und der in 2027 integrierte EPLAN Copilot können Informationssuche, Stücklisten und Qualitätsprüfungen unterstützen – abhängig vom jeweils lizenzierten Umfang.
Automatische Projekterzeugung
Was eBUILD tatsächlich macht
EPLAN eBUILD ist die Cloud-Anwendung, die standardisierte Engineering-Bausteine über Regeln konfigurierbar macht. Statt einen ähnlichen Stromlaufplan zu kopieren und anschließend an vielen Stellen manuell zu ändern, werden die Anforderungen einer Maschine oder Anlage als Konfigurationswerte erfasst. Daraus erzeugt eBUILD vollständige Projekte oder definierte Teilschaltungen.
Das Ergebnis bleibt ein natives EPLAN-Projekt. Damit verbindet eBUILD zwei Arbeitsweisen: Configure to Order (CTO) erzeugt den standardisierten Anteil automatisch; Engineering to Order (ETO) erlaubt anschließend die projektspezifische Bearbeitung in Electric P8. Die Konstruktion bleibt also offen für technische Ergänzungen und wird nicht in ein starres Fremdformat umgewandelt.
eBUILD DESIGNER
Das Regelwerk bauen
- Bibliotheken und Versionen anlegen und veröffentlichen
- Makro-Typicals, Typical Groups und Script-Typicals organisieren
- Konfigurationsvariablen und Abhängigkeiten definieren
- Konfiguratoren für Produktfamilien aufbauen
- Bearbeitungsstände testen, bevor sie freigegeben werden
eBUILD PROJECT BUILDER
Das Projekt konfigurieren
- Eine veröffentlichte Bibliothek auswählen
- Zielprojekt oder Projektvorlage festlegen
- Optionen, Varianten und Pflichtwerte erfassen
- Benötigte Makros und Strukturkennzeichen bestimmen
- Projektdokumentation erzeugen und in Electric P8 prüfen
Für einen Konstrukteur mit der Rolle „User“ ist nur der Project Builder vorgesehen. Wer eigene Bibliotheken und Konfiguratoren entwickeln soll, benötigt die Rolle „Designer“. Diese Rollentrennung schützt freigegebene Standards: Anwender konfigurieren Projekte, während die fachlich verantwortlichen Designer die wiederverwendbaren Regeln pflegen.
In der für diesen Beitrag bereitgestellten offiziellen Leistungsbeschreibung von Electric P8 wird die automatisierte Projekterzeugung mit eBUILD für die Pro-Ausbaustufe aufgeführt. Maßgeblich für den produktiven Einsatz unter 2027 bleibt dennoch die tatsächlich im EPLAN Cloud-Portal zugewiesene Berechtigung.
Freischaltung
eBUILD in EPLAN 2027 aktivieren – Schritt für Schritt
eBUILD wird nicht über einen einzelnen Schalter in Electric P8 aktiviert. Sichtbarkeit und Funktionsumfang entstehen aus vier Bausteinen: gültige Lizenz, EPLAN ID, Mitgliedschaft in der richtigen Cloud-Organisation und eine zugewiesene eBUILD-Rolle.
- 1
Lizenz und Systemstand prüfen
EPLAN Electric P8 2027 muss installiert und über das vorgesehene Lizenzpaket startbar sein. eBUILD ist mit Electric P8 2027 kompatibel; ob die kommerzielle Vollversion verfügbar ist, richtet sich nach dem konkreten Vertrag. Vor einem Upgrade sollten Projekt- und Artikeldatenbanken gesichert und der Migrationsweg geprüft werden.
- 2
EPLAN ID und Organisation kontrollieren
Der Benutzer benötigt eine EPLAN ID, idealerweise mit Firmen-E-Mail-Adresse, und muss Mitglied der Organisation sein, der die Lizenz zugeordnet wurde. Bei mehreren Organisationen muss beim Anmelden die richtige Organisation gewählt werden.
- 3
Rolle und Lizenz in der Benutzerverwaltung zuweisen
Der Hauptadministrator oder ein Benutzer mit „Manage“-Berechtigung öffnet die Benutzerverwaltung, wählt den Benutzer, öffnet die Produktzuordnung für eBUILD und vergibt „Designer“ oder „User“. Mit der Rolle wird zugleich die zugehörige Lizenz zugewiesen. Danach wird gespeichert.
- 4
In Electric P8 anmelden
Electric P8 starten, im Lizenzdialog das passende Lizenzpaket wählen und sich im Anmeldedialog mit EPLAN-, Microsoft- oder Google-Konto anmelden. Anschließend die richtige Organisation auswählen. Das Cloud-Dashboard zeigt nur Produkte, für die eine Rolle zugewiesen wurde.
- 5
Designer oder Project Builder öffnen
Im Cloud-Dashboard eBUILD öffnen und je nach Aufgabe „Designer“ oder „Project Builder“ wählen. Der Designer wird innerhalb von Electric P8 verwendet. Der Project Builder kann auch im Browser geöffnet werden; lokale Projekte und bestimmte Funktionen stehen jedoch nur in der installierten EPLAN-Lösung zur Verfügung.
Wenn eBUILD nicht angezeigt wird
| Beobachtung | Wahrscheinliche Ursache | Prüfung |
|---|---|---|
| eBUILD fehlt im Dashboard | Keine Rolle oder falsche Organisation | Admin-Zuweisung, Organisationswahl und verfügbaren Lizenzplatz prüfen |
| Designer ist nicht verfügbar | Nur Rolle „User“ zugewiesen | Für Bibliotheksarbeit die Rolle „Designer“ vergeben lassen |
| Lokales Projekt fehlt im Browser | Lokale Funktionen benötigen Electric P8 | Project Builder aus der installierten EPLAN-Lösung öffnen |
| Generierung startet nicht | Pflichtvariablen sind leer | „Nur Pflichtfelder anzeigen“ aktivieren und alle markierten Werte ausfüllen |
Designer-Workflow
Vom vorhandenen Schaltplan zur belastbaren eBUILD-Bibliothek
Gute Automatisierung beginnt nicht mit der Cloud-Oberfläche, sondern mit einem geprüften Engineering-Standard. Wer uneinheitliche Makros automatisiert, erzeugt uneinheitliche Projekte nur schneller. Deshalb sollte der Aufbau in kontrollierten Stufen erfolgen.
1. Engineering-Standard festlegen
Vor dem ersten Makro werden Seitentypen, Strukturkennzeichen, Betriebsmittelkennzeichnung, Potenzial- und Abbruchstellenlogik, Artikelstrategie, Sprachen, Auswertungen, Plotrahmen und Prüfschemata festgelegt. Ebenso wichtig ist die Grenze zwischen Standard und projektspezifischer Konstruktion: Nur technisch stabile, häufig wiederkehrende Funktionen gehören in die erste Automatisierungsstufe.
2. Makros in Electric P8 vorbereiten
Wiederkehrende Funktionen werden als geprüfte Makros mit sinnvollen Varianten aufgebaut. Platzhalterobjekte verbinden die Makrovariablen aus Electric P8 mit den Konfigurationsvariablen in eBUILD. Geräte, Anschlüsse, Artikel, Querverweise und Strukturinformationen müssen innerhalb jedes Bausteins konsistent sein. Ein Makro sollte nicht nur grafisch richtig aussehen, sondern auch korrekte Auswertungs- und Fertigungsdaten liefern.
3. Bibliothek und Typicals im Designer anlegen
Im eBUILD Designer wird für die Produktfamilie eine Bibliothek angelegt. Makros und ihre Konfigurationsvariablen werden zu Macro Typicals zusammengefasst; verwandte Typicals lassen sich in Typical Groups strukturieren. Die Bibliothek ist während der Bearbeitung nur für Designer sichtbar. Erst eine veröffentlichte Version steht Benutzern im Project Builder zur Verfügung.
4. Variablen, Regeln und Konfigurator modellieren
Konfigurationsvariablen bilden Kundenanforderungen ab, zum Beispiel Netzspannung, Motorleistung, Sicherheitsoption, Sensorpaket, Bediengerät oder Dokumentationssprache. Regeln steuern Abhängigkeiten, Berechnungen und die Darstellung im Konfigurator. Ein 400-V-Motor kann etwa eine andere Schutz- und Schaltkombination aktivieren als ein kleiner 24-V-Antrieb. Unzulässige Kombinationen werden nicht erst im fertigen Schaltplan entdeckt, sondern bereits in der Konfiguration verhindert.
5. Testen, dokumentieren und veröffentlichen
Vor der Freigabe werden Normalfälle, Grenzfälle und bewusst falsche Eingaben getestet. Zu jeder Bibliotheksversion gehören Änderungsstand, Verantwortlicher, freigegebene Plattformversion und ein definiertes Prüfergebnis. Erst dann wird die Version publiziert. So bleibt nachvollziehbar, mit welchem Regel- und Makrostand ein Projekt erzeugt wurde.
Project-Builder-Workflow
Ein Projekt konfigurieren und automatisch erzeugen
Ist die Bibliothek freigegeben, wird aus dem Engineering-Baukasten ein wiederholbarer Arbeitsablauf. Der Anwender braucht die interne Makrologik nicht zu verändern; er beantwortet die technisch vorgesehenen Konfigurationsfragen.
- 1
Bibliothek und Version auswählen
Benutzer sehen veröffentlichte Versionen; Designer können zusätzlich Bearbeitungsstände testen.
- 2
Zielprojekt bestimmen
Ein vorhandenes Projekt wählen oder ein neues Projekt erzeugen. Für Cloud-Projekte kann eine als Basisprojekt bereitgestellte ZW9-Vorlage verwendet werden.
- 3
Konfigurator öffnen
Den zur Produktfamilie passenden Konfigurator auswählen und zum Eingabeschritt wechseln.
- 4
Varianten und Werte erfassen
Pflichtfelder ausfüllen, optionale Makros aktivieren oder deaktivieren und bei Bedarf Strukturkennzeichen vorgeben. Konfigurationen können auch über XML oder XLSX ausgetauscht werden, wenn der Prozess entsprechend vorbereitet ist.
- 5
„Generate“ ausführen
eBUILD ersetzt Makrovariablen durch die Konfigurationswerte, berücksichtigt die Auswahlregeln und erzeugt die Projektdokumentation im Zielprojekt.
- 6
In Electric P8 technisch prüfen
Das generierte Projekt wird als reguläres EPLAN-Projekt weiterbearbeitet, geprüft, ergänzt und erst nach definierter Freigabe ausgegeben.
BEISPIEL: MODULARE VERPACKUNGSMASCHINE
Eine Eingabemaske statt sechs Kopien alter Projekte
Der Konfigurator fragt unter anderem Zuführmodul, Anzahl der Fördersegmente, Motor-/Antriebsvariante, Sensorpaket, Sicherheitsoptionen, Bediengerät, Netzform und Dokumentationssprache ab. Aus diesen Angaben wählt das Regelwerk die freigegebenen Teilschaltungen, setzt Variablen und Strukturkennzeichen und fügt die Bausteine in das Zielprojekt ein. Der Konstrukteur konzentriert sich anschließend auf Schnittstellen, Sonderfunktionen und Prüfung – nicht auf wiederholtes Kopieren.
Qualitätssicherung
Automatisch erzeugt bedeutet nicht automatisch freigegeben
eBUILD reduziert wiederkehrende Konstruktionsarbeit und vermeidbare Übertragungsfehler. Die fachliche Verantwortung bleibt jedoch beim Engineering. Jedes erzeugte Projekt braucht einen definierten Prüf- und Freigabeprozess.
Projektstruktur
Seitentypen, Strukturkennzeichen, Nummerierung, Abbruchstellen und Querverweise.
Elektrische Plausibilität
Spannungen, Schutzorgane, Leiterquerschnitte, Anschlussdaten und Selektivität.
Geräte und Artikel
Herstellerdaten, Varianten, Ersatzstatus, Funktionsschablonen und vollständige Stückliste.
Klemmen, Kabel, Verbindungen
Klemmenpläne, Stecker, Kabelbelegung, Adern, Potenziale und Verdrahtungsdaten.
Dokumentation
Sprachen, Formulare, Deckblätter, Revisionsstand, Auswertungen und Ausgabeformate.
Freigabe
Projektprüfung, Vier-Augen-Prinzip, offene Punkte, Änderungsprotokoll und Archivierung.
Wo der größte Nutzen entsteht
Besonders geeignet sind Produktfamilien mit wiederkehrenden Funktionsgruppen und klaren Varianten: Fördertechnik, Verpackungsmaschinen, modulare Schaltschränke, Pumpen- und Lüftergruppen oder standardisierte Retrofit-Pakete. Bei einmaligen Sonderanlagen ohne stabile Wiederholrate kann der Aufbau einer umfangreichen Bibliothek dagegen mehr Aufwand verursachen als er einspart. Deshalb beginnt ein seriöses eBUILD-Projekt mit einer Wirtschaftlichkeits- und Standardisierungsanalyse, nicht mit dem sofortigen Modellieren aller vorhandenen Pläne.
Analyse
Varianten, Wiederholrate, Datenqualität und Zielprozess bewerten.
Pilot
Eine klar begrenzte Produktfamilie mit wenigen Kernoptionen automatisieren.
Validierung
Ergebnisse gegen freigegebene Referenzprojekte und Prüfschemata testen.
Rollout
Bibliotheken versionieren, Benutzer schulen und Pflegeverantwortung festlegen.
